+

„Das schlimmste Jahr“

Stechmücken-Bekämpfer im Dauereinsatz

Speyer – Die Stechmückenbekämpfer am Oberrhein erleben ihr arbeitsintensivstes Jahr. Der viele Regen beschert den geflügelten Plagegeistern paradiesische Verhältnisse.

Juckende Stiche, fluchende Biergartengäste, genervte Wirte: Die Stechmücken treiben 2016 am Oberrhein so geballt ihr Unwesen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Es ist einfach ein Extremjahr, sagt Norbert Becker von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) in Speyer. 

In den Kabs-Fallen am Rhein zwischen Bingen im Norden und dem Kaiserstuhl im Süden landeten pro Nacht im Schnitt 1.000 Exemplare – das seien zwei- bis viermal so viele wie in den vergangenen Jahren. Becker spricht vom schlimmsten Jahr seit dem Start der Kabs-Aktivitäten 1976

Rekordjahr 2016: Kabs bekämpft Stechmücken

Als Gründe für das massenhafte Auftreten der geflügelten Plagegeister nennt Becker die heftigen Regenfälle der vergangenen Monate und das permanente Hochwasser am Rhein. Die sogenannten Rheinschnaken legen ihre Eier am Ufer und in den Auen ab. Wenn das Wasser steigt und sie überspült, schlüpfen die Larven. Die Tiere werden landläufig Schnaken genannt, sind aber nicht mit den harmlosen Kohlschnaken zu verwechseln. Bekämpft werden sie mit dem biologischen Mittel „b.t.i.“, das von Helfern am Boden oder vom Hubschrauber aus verteilt wird. 

Noch keine Plage

In diesem Jahr habe allerdings der hohe Wasserstand die Bekämpfung erschwert, betonte Becker, der wissenschaftliche Direktor der Kabs. „Extreme Probleme“ bereiteten außerdem die Hausmücken, die ihre Eier zum Beispiel in Regenfässern ablegen. Von einer Stechmückenplage wollte Becker aber nicht sprechen. „Mancherorts ist es eine Belästigung, sagte der Biologe. Aber man könne sich noch im Freien aufhalten. „Wenn wir nichts gemacht hätten, wären wir in Schnaken ertrunken.“ 

>>> Das hilft gegen Mückenstiche!

Von einer Plage könne man im hessischen Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblauchsaue (Kreis Groß-Gerau) reden, wo nicht bekämpft werde. Dort landeten pro Nacht bis zu 20.000 Stechmücken in einer Falle. Er selbst sei kürzlich dort gewesen und habe nach kurzer Zeit auf einer zehn mal zehn Zentimeter großen Hautpartie etwa 60 Stechmücken bei der Arbeit gezählt. Das sei wie in den 70er Jahren - vor der Kabs-Gründung. Hier könne man sich einen Eindruck davon verschaffen, wie die Lage ohne Bekämpfung aussähe. 

25.000 Hektar Einsatzfläche

Im Jahr 2016 bekämpften der Biologe und seine Helfer die Mücken bislang auf einer Fläche von 25.000 Hektar, das waren 1.000 Hektar mehr als im Rekordjahr 2013. Der Kabs gehören zwischen Bingen beziehungsweise dem Rheingau im Norden und dem Kaiserstuhl im Süden 97 am Rhein gelegene Gemeinden und Kreise sowie die Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an. In dem Gebiet leben 2,7 Millionen Menschen. Insgesamt sei die Zahl der Rheinschnaken derzeit rückläufig, sagte der Biolge. Die letzten großen Hochwasserwellen lägen schon einige Wochen zurück, und die Tiere lebten nur sechs Wochen. 

Tipps vom Experten

Wegen der vielen Hausmücken appellierte Becker an die Bürger, Regentonnen zu leeren und sie mit Vorhangstoff oder Moskitonetz und einem Gummiring abzudichten, damit die Tiere keine weiteren Eier darin ablegen könnten. Aus denselben Gründen sollten Eimer, Vasen und andere potenzielle Brutstätten im Freien so stehen, dass sich darin kein Wasser sammele. Vogeltränken sollten einmal pro Woche geleert werden. 

Die Asiatische Tigermücke, die bereits in Freiburg und Heidelberg nachgewiesen wurde, ist nach Beckers Angaben wegen des Temperaturverlaufs in diesem Frühjahr noch nicht so häufig aufgetreten wie 2015. Sie könne mehr als 20 Virusarten übertragen, darunter das Dengue-Fieber und Zika. Voraussetzung sei, dass die Mücke zuvor jemanden gestochen habe, der an einer solchen Krankheit leide. In Deutschland beobachtet ein nationales und eng vernetztes Expertenkomitee nach Beckers Angaben die Entwicklung.

dpa/sag

Mehr zum Thema

Feuerwehr löscht Wohnungsbrand in Oftersheim

Feuerwehr löscht Wohnungsbrand in Oftersheim

Das sind die modernisierten S-Bahnen

Das sind die modernisierten S-Bahnen

Unsere Tipps fürs Wochenende

Unsere Tipps fürs Wochenende

Kommentare