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Die Schäferei ist wichtig für den Naturschutz. Schäfer sollen daher gestärkt werden.

Für Naturschutz und Tradition

Nabu und Schäfer fordern 220 Euro Weideprämie

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Naturschutzbund Nabu und Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg (LSV) fordern die Landesregierung auf, Tierhalter mit einer Weideprämie zu unterstützen: und zwar 220 Euro pro Hektar.

Bislang will das Land lediglich bei Milchkühen eine Prämie gewähren. „Die traditionelle Schäferei schützt Natur, Klima und Landschaft wie keine andere Form der Tierhaltung“, werden die Vorsitzenden Alfons Gimber (LSV) und Andre Baumann (NABU BW) in einer Pressemitteilung zitiert. 

Das neue Agrarumweltprogramms "FAKT" müsse daher dringend eine Weideprämie von 220 Euro pro Hektar enthalten, um die Schäferei vor dem Aus zu bewahren. Diese Prämie schlägt auch der Bund im Programm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“(GAK) vor.

Der Arbeitslohn der Schäfer in Baden-Württemberg sank innerhalb nur eines Jahres um 13 Prozent auf durchschnittlich 4,27 Euro pro Stunde (Quelle: „Schafreport“der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume, 2012). Durchschnittlich arbeitet ein Schäfer 14 bis 16 Stunden täglich, an sieben Tage pro Woche. 

Was ist mit dem Mindestlohn?

Der Mindestlohn (8,50 Euro), der mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Tarifautonomie zum 1. Januar 2015 eingeführt wird, gilt grundsätzlich für alle Arbeitnehmer, damit auch für Schäfereibetriebe, antwortet eine Sprecherin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf eine Anfrage von MANNHEIM24/HEIDELBERG24. 

Während einer Übergangsphase haben die Tarifpartner jedoch die Möglichkeit, abweichende Mindestlohnhöhe zu bestimmen, die unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Die Land- und Forstwirtschaft sowie der Gartenbau führen entsprechende Tarifverhandlungen. Inwieweit ein etwaiger Tarifvertrag auch Schäfereibetriebe erfasst, kann nicht beurteilt werden, heißt es seitens des Ministeriums. 

Für die Schäfereibetriebe bedeutet das konkret: Wenn für einen angestellten Schäfer oder sonstige Hilfskräfte der Mindestlohn zukünftig zu zahlen ist, sind die Betriebe umso mehr auf eine auskömmliche Förderung für Leistungen in der Landschaftspflege angewiesen – wie eben die von Nabu und Schafzuchtverband geforderte Beweidungsprämie. Die logische Formel würde also lauten: Mindestlohn und Beweidungsprämie, bringt es der Nabu auf den Punkt

Da viele Schäfer selbstständig sind und ihr Lohn von ihren Einkünften abhängig ist, benötigen sie sowieso jede Art der Unterstützung.

Binnendünen zwischen Mannheim und Sandhausen 

Der Nabu betont, dass die biologische Vielfalt in vielen Lebensräumen nicht ohne die Schäferei zu erhalten sei. Landeschef Baumann nennt die "charakteristischen Wacholderheiden der Schwäbischen Alb" als Beispiel für Lebensräume, die durch Beweidung entstanden sind. "Und sie haben nur mit Beweidung eine Zukunft“, so Baumann. „Leider gibt es in der Metropolregion Rhein-Neckar zu wenige Schäfer", antwortet er auf eine Nachfrage von MANNHEIM24/HEIDELBERG24. "Es gibt deutlich mehr Flächen, die dringend beweidet werden müssen. Dazu zählen beispielsweise die Binnendünen zwischen Mannheim und Sandhausen, die in Jahrhunderten über eine Schafbeweidung entstanden sind. Diese offenen Binnendünen gehören zum wertvollsten europäischen Naturerbe“, erläutert Baumann weiter. 

Viele traditionell von Schafen „gepflegte“Lebensräume leiden unter dem Rückgang der Beweidung. Die Fläche der Magerrasen etwa ist in den vergangenen 50 Jahren um 50 bis 60 Prozent zurückgegangen. Die Kalkmagerrasen seien jedoch ebenso wie Wacholderheiden EU-weit streng geschützt und müssen erhalten werden. Pflegetrupps, die mit Motorsensen die Schafbeweidung zu ersetzen versuchen, kosteten ein Vielfaches. „Für Schäferei, Ziegen- und Mutterkuhhaltung eine Weideprämie einzuführen, ist ökologisch und ökonomisch zwingend notwendig“, betont Andre Baumann. 

Immer weniger Schafe

Nabu und LSV haben im März einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, da der Naturschutz die Schäfer brauche und die Schäfer den Naturschutz als Partner. Innerhalb von zehn Jahren ist in Baden-Württemberg der Schafbestand um 30 Prozent auf jetzt 216.000 Schafe geschrumpft. Im gleichen Zeitraum ist die Anzahl der Schäfereibetriebe um 25 Prozent auf jetzt 3.200 Betriebe gesunken.

pm/kb

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