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Die Zahl der Vermisstenfälle im Südwesten ist im Vergleich zum vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. (Symbolfoto)

Zahl der Vermissten im Südwesten gestiegen

Nach 10 Jahren: Polizeiakte des vermissten Felix noch offen

Mannheim - Die Zahl der Vermissten im Südwesten ist im Vergleich zum letzten Jahr sprunghaft angestiegen. Viele Fälle beschäftigen die Polizei noch nach Jahren – so auch der des kleinen Felix:

Seit zehn Jahren leben die Angehörigen des kleinen Felix aus Oftersheim mit dem mysteriösen Verschwinden des damals Zweijährigen. Anfang Januar 2006 holt der Vater seinen Sohn von seiner geschiedenen Frau ab und bringt ihn nicht mehr zurück. Die Leiche des Mannes wird Wochen später, am 26. Februar, in Bühlertal (Kreis Rastatt) von einem Spaziergänger gefunden. Von dem Kind fehlt bis heute jede Spur.

Zehn Jahre nach seinem Verschwinden des damals zweijährigen Jungen aus Oftersheim beschäftigt der Fall noch immer die Polizei. Man könne den Jungen nicht für tot erklären, sagt Norbert Schätzle, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mannheim. „Wir überprüfen auch heute noch Hinweise, damit wir ihn finden können, wenn er noch am Leben ist."

In den ersten Tagen habe es sehr vielversprechende Zeugenaussagen gegeben. Mit dem Tod des Vaters sei die Hoffnung für Felix jedoch gesunken. Auch für den Polizisten ist die Geschichte emotional. „Ich war vom ersten Tag an mit diesem Fall betraut. Da bekommt man natürlich einen anderen Bezug dazu, gerade wenn man auch Kontakt zu den Angehörigen hatte."

Zahl der Vermissten sprunghaft gestiegen

Anfang Januar diesen Jahres waren im Südwesten 1.297 Menschen verschwunden, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts in Stuttgart erklärt. Am 1. Januar 2015 waren 807 Personen als vermisst gemeldet.

Sowohl die Anzahl der Jugendlichen als auch die der Kinder habe sich erhöht, was auch mit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen zusammenhänge. Diese Tendenz ist bundesweit erkennbar: Weil zuletzt mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kamen, ist die Zahl der vermissten Jugendlichen dem Bundeskriminalamt zufolge stark gestiegen. Die Ermittler vermuten, dass viele von ihnen etwa zu Verwandten weiterziehen, möglicherweise ins Ausland.

Bearbeitung von Vermisstenfällen

Die Vermisstenstelle des Bundeskriminalamtes fahndet nach Vermissten und identifiziert unbekannte Leichen sowie unbekannte, hilflose Menschen. Die Personalien der Vermissten werden im ‚Informationssystem der Polizei‘ erfasst und damit zur Fahndung ausgeschrieben. Alle deutschen Polizeidienststellen haben auf dieses System Zugriff.

Geistig und körperlich Gesunde dürfen ihren Aufenthaltsort frei wählen – auch ohne Angehörigen oder Freunden Bescheid zu sagen. Die Ermittler leiten aber eine Vermisstenfahndung ein, wenn jemand seinen gewohnten Lebenskreis verlassen hat, der Aufenthaltsort unbekannt ist und eine Gefahr für Leib und Leben angenommen werden kann. 

Finden Ermittler einen Vermissten, wird er zunächst gefragt, ob sein Aufenthaltsort weitergegeben werden darf. Ist der Vermisste wohlauf, hat sich der Fall für die Polizei erledigt. Unter 18-Jährige dürfen ihren Aufenthaltsort nicht selbst bestimmen. Bei ihnen gehen Ermittler grundsätzlich von einer Gefahr für Leib oder Leben aus.

Ständige Ungewissheit

Wenn jemand vermisst werde, sei für die Angehörigen das schlimmste daran die ständige Ungewissheit, so Josef Hiller von der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring. „Sie wollen wissen, was mit demjenigen los ist - und immer bleibt die Frage nach dem Warum. Die zermürbt unendlich." Angehörigen schwirre ständig die Frage im Kopf herum, ob sie noch irgendetwas tun könnten – und ob sie vielleicht selbst Schuld an dem Verschwinden seien. Der Leiter der Außenstelle Ravensburg des Weißen Rings sagt: „Der Mensch will Gewissheit, selbst wenn es der Tod ist." Angehörige von Vermissten seien auch Opfer. Hiller rät ihnen wegen des Traumas zu einer Psychotherapie.

Zahlen und Fakten

Der älteste Vermisstenfall aus Baden-Württemberg reicht bis in die 1960er Jahre zurück. Nach den Erfahrungen des Bundeskriminalamtes erledigen sich rund 50 Prozent der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche. Nach einem Monat sind es den Ermittlern zufolge bereits mehr als 80 Prozent. Der Anteil der Menschen, die länger als ein Jahr vermisst werden, liegt bei nur etwa 3 Prozent. Knapp zwei Drittel aller Vermissten sind männlich. Bei rund der Hälfte der Fälle handelt es sich um Kinder und Jugendliche. In Deutschland waren am 1. Juli dieses Jahres laut BKA 8.283 Menschen als vermisst gemeldet, davon 721 unter 14-Jährige und 3.720 Jugendliche.

dpa/kab

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