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(v.l.): Bürgermeister Wolfgang Erichson, Danijel Cubelic von schwarzweiss e.V., Grace Proch von der Heidelberger Initiative Identität & Geschlechtlichkeit und Christian Scholl vom städtischen Amt für Chancengleichheit.

Gegen Vorurteile und Diskriminierung

Heidelberg gründet „Runden Tisch Sexuelle Vielfalt“

Heidelberg – Um noch aktiver gegen Homo- und Trans*phobie vorzugehen, hat die Stadt den „Runden Tisch Sexuelle Vielfalt“ initiiert. Das Datum der ersten Tagung wurde nicht zufällig gewählt:

Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans*Personen erfahren im Alltag vielfach noch Ablehnung oder werden Opfer von Diskriminierungen. Um aktiv dagegen vorzugehen, hat die Stadt Heidelberg den „Runden Tisch Sexuelle Vielfalt“ initiiert. Die Vertreterinnen und Vertreter von rund 15 Vereinen, Gruppen und Initiativen tagen unter der Leitung von Bürgermeister Wolfgang Erichson erstmals am Dienstag, 11. Oktober 2016, nicht-öffentlich im Heidelberger Rathaus. 

Das Datum ist bewusst gewählt: Seit 1988 wird jedes Jahr am 11. Oktober der Coming-out-Tag begangen. Das städtische Amt für Chancengleichheit organisiert und unterstützt die Vernetzung der queeren Gruppen, Initiativen und Vereine aus Heidelberg und der Metropolregion.

Im Vorfeld der Gründungsversammlung des „Runden Tisches Sexuelle Vielfalt“ hatte Bürgermeister Wolfgang Erichson am Dienstag, 4. Oktober 2016, zu einem Pressegespräch eingeladen, bei dem das neue Projekt vorgestellt wurde. Mit dabei waren Christian Scholl vom Amt für Chancengleichheit, Grace Proch von der Heidelberger Initiative Identität & Geschlechtlichkeit und Danijel Cubelic von schwarzweiss e.V. Die beiden Letztgenannten engagieren sich im neuen „Queeren Netzwerk Heidelberg“ und sind seit längerem enge Kooperationspartner des Amtes für Chancengleichheit.

Sexuelle Vielfalt wird in Heidelberg nicht nur toleriert, sondern akzeptiert

Bürgermeister Wolfgang Erichson betonte vor dem Gründungstreffen: „Wichtig ist, dass sich Stadtgesellschaft und Politik öffentlich dazu bekennen, dass sexuelle Vielfalt in Heidelberg nicht nur toleriert, sondern akzeptiert wird. Heidelberg hat sich hier mit dem Aktionsplan ,Offen für Vielfalt und Chancengleichheit‘ und dem Beitritt zur ,Städtekoalition gegen Rassismus‘ einem größeren Zusammenhang verpflichtet.“

„Wir schließen uns zusammen, weil wir gemeinsam mehr erreichen können. Die Verwaltung hat uns bereits sehr unterstützt“, betonte Grace Proch. „Die Gesellschaft wird zunehmend vielseitiger. Wie stark Offenheit und Akzeptanz in einer Stadt ausgeprägt sind, zeigt sich daran, wie sich beispielsweise Arbeitgeberinnen und -geber, Schulen und die Polizei, Sportvereine und Arztpraxen mit Vielfalt auseinandersetzen.“

Thema soll in Stadtgesellschaft sichtbarer werden

„Uns ist wichtig, dass das Thema in der Stadtgesellschaft sichtbarer wird; und dass wir uns mit der Politik austauschen“, sagt Danijel Cubelic und erläuterte: „Die Besonderheit des Heidelberger Netzwerkes ist es, dass es sich allgemein mit Menschen, die diskriminiert werden, solidarisch erklärt. Das heißt: Wir nehmen uns nicht nur queeren Themen an, sondern viele Gruppen engagieren sich auch in anderen Bereichen, in denen Diskriminierung ein Thema ist.“

Bewusstsein für Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Trans*Personen schaffen

Nach dem Vorbild anderer Kommunen wie München, Dortmund oder Mannheim soll der „Runde Tisch Sexuelle Vielfalt“ langfristig ein stärkeres Bewusstsein für die Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Trans*Personen schaffen. Zudem sollen der Austausch und die Vernetzung von Ehrenamtlichen, Stadtverwaltung und Kommunalpolitik verbessert werden. Der Heidelberger Gemeinderat hatte im Juli 2016 der Einrichtung eines „Runden Tisches Sexuelle Vielfalt“ zugestimmt – der Runde Tisch ist eines von über 100 Projekten des Aktionsplans „Offen für Vielfalt und Chancengleichheit – Ansporn für alle“.

Umfrage: Herabsetzung bis hin zur körperlichen Gewalt

Dass Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Trans*Personen oft diskriminiert werden, hat eine Umfrage im Auftrag der damaligen grün-roten Landesregierung aus dem Jahr 2013/2014 ergeben. Demnach haben 54 Prozent der betroffenen Befragten in den vergangenen fünf Jahren aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität herabsetzende Reaktionen erlebt. 

Am häufigsten waren sie in der Öffentlichkeit, aber auch in der Freizeit, am Arbeitsplatz sowie in Schule und Ausbildung herabsetzenden Äußerungen, Ausgrenzung, Benachteiligungen oder sogar körperlicher Gewalt ausgesetzt.

Städtische Antidiskriminierungsarbeit

Die Stadt Heidelberg möchte künftig noch konsequenter gegen Diskriminierung, Vorurteile und Ausgrenzung vorgehen und das friedliche Zusammenleben ihrer Einwohnerinnen und Einwohner fördern. Der „Runde Tisch Sexuelle Vielfalt“ ist Teil dieser Anstrengungen. 

Mit dem Beitritt zur Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus der UNESCO im März 2015 hatte sich die Stadt unter anderem zur Umsetzung eines Aktionsplans mit zehn Punkten verpflichtet. Dieser beinhaltet die Durchführung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Über das Jahr verteilt finden darüber hinaus immer wieder Projekte zu verschiedenen Aktions- und Gedenktagen statt.

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Stadt Heidelberg/kp

Quelle: Heidelberg24

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