+
Am Landgericht Frankenthal wird am Donnerstag der Fall Henry L. verhandelt.

Totschlag unter B9-Brücke

Im Rausch zugestochen: Bob A. (22) auf der Anklagebank

Frankenthal/Limburgerhof – Drogen, Gewalt, Arbeitslosigkeit. Beim Prozessauftakt gegen Oliver „Bob“ A. bekommen die Richter am Landgericht einen Einblick in die traurige Vergangenheit des Angeklagten:

Oliver A., Spitzname „Bob“, sitzt am Donnerstagmorgen betreten auf der Anklagebank. Sein Verteidiger Ulrich Beust wird an diesem ersten Prozesstag nicht viel zu Wort kommen. A. möchte selbst aussagen und die Geschehnisse in der Nacht auf den 23. März schildern.

Er ist angeklagt, weil er seinen Kumpel Henry L. (25) unter der B9-Brücke bei Limburgerhof mit mehreren Messerstichen erstochen haben soll (WIR BERICHTETEN MEHRFACH). „Ich wünschte, ich wäre an dem Tag im Bett geblieben.“ „Bob“, wie ihn seine Freunden nennen, fühlt sich schuldig und gibt die ihm vorgeworfene Tat zu. Auch die beiden Körperverletzungsdelikte gesteht der Ludwigshafener auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin ohne zu zögern.

Der 22-Jährige wächst bei seinem Vater auf, der ihn immer wieder „psychisch fertig“ gemacht und gedemütigt habe. Nach dem Hauptschulabschluss habe er mehrere Ausbildungen angefangen, um letztlich doch von Hartz IV in einer Wohnung in Ludwigshafen-Gartenstadt zu leben. 

Schwierige Freundschaft

Sein späteres Opfer Henry L. kannte der Angeklagte von einer Arbeitsamtmaßnahme in Ludwigshafen. Er beschreibt L. als schwer drogenabhängig und cholerisch. Trotzdem seien beide mit der Zeit Freunde geworden, hätten zusammen gekifft, sich in der Freizeit getroffen und mit Drogen gedealt. Sogar eine gemeinsame Cannabis-Plantage im Haus des Onkels von L. sei geplant gewesen. Immer wieder hätten sie aber auch gestritten. 

Zeugin Nina H. (18), selbst obdachlos und vermutlich drogenabhängig, war mit Henry L. verlobt. Die beiden hätten zunächst eine Fernbeziehung gehabt. Dass ihr Freund auch ein Drogenproblem gehabt haben soll, spielt sie herunter. Ihrer Aussage nach sei es Bob gewesen, der sich teils extrem aggressiv gezeigt hätte. Auch der gemeinsame Kumpel, Pascal W., sagt im Zeugenstand, er kenne Bob als Schläger-Typ– einen Mord traue er ihm aber nicht zu. 

A. hatte nach eigenen Angaben neben Marihuana auch Steroide konsumiert. Bei längerer Einnahme könne das zu aggressivem Verhalten führen. Mit dem Kiffen habe er sich immer wieder beruhigen und besser konzentrieren können.

Eskalation im Frühjahr 2016

Nachdem der Angeklagte sich am Abend des 22. März mit Henry L. getroffen habe, seien die beiden durch die Straßen in Limburgerhof gelaufen. L. war nach Aussage des 22-Jährigen „voll druff“, habe ihn überredet auch ein „LSD-Ticket“ zu nehmen und selbst noch einmal zwei Trips genommen. Weil A. im Gegensatz zu seinem Kumpel nicht so oft chemische Drogen nehme, sei er durch das LSD extrem berauscht gewesen. Auch der 25-jährige L. hätte halluziniert und habe einen nervösen Eindruck gemacht. 

Weil sie noch einen Joint rauchen wollten, landeten die beiden schließlich auf einem Fahrradweg, der unterhalb der B9 entlang der Bahngleise führt. Dort sei dann alles recht schnell gegangen. Der Angeklagte habe sich bedroht gefühlt, denn Henry L. soll sein kleines Schlüsselbund-Messer in die Hand genommen haben. Im Drogenrausch habe er dann sein eigenes Messer gezückt und zugestochen, als L. auf ihn zukam. „Da war überall Blut“ „Ich hab ihn einfach da liegen lassen.“ Die Tatwaffe habe er wahrscheinlich irgendwo hingeworfen. 

Wenig später fanden zwei 18-Jährige, die mit ihren Fahrrädern aus dem Musikpark in Ludwigshafen auf dem Weg nach Schifferstadt waren, die Leiche von Henry L. und alarmierten die Polizei. Zu diesem Zeitpunkt war L. schon verblutet.„Sein Gesicht war ganz bleich, seine Augen starr, erklärt Zeuge Benedikt im Gerichtssaal.

Der Prozess gegen Bob A. ist noch auf zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. 

Leichenfund unter der Brücke der B9! 

Im Andenken an den Getöteten: Blumen und Kerzen unter B9-Brücke

sag

Weihnachtsmarkt verzaubert Schwetzinger Schlosshof

Weihnachtsmarkt verzaubert Schwetzinger Schlosshof

GRÜNEN-Politiker Wolfgang Raufelder (†59) tot

GRÜNEN-Politiker Wolfgang Raufelder (†59) tot

Hier explodierte der Sprengsatz

Hier explodierte der Sprengsatz

Kommentare