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Sascha B. kehrte nach seinem Ausgang nicht in die JVA Diez zurück. (Symbolfoto)

Mörder auf der Flucht

Kriminologe: Sascha B. (47) dürfte bald gefasst sein

Diez/Frankenthal - Im Fall des geflohenen Mörders aus dem Gefängnis in Diez gibt es nach wie vor keine öffentliche Fahndung. Warum ein Kriminologe trotzdem sicher ist, dass er gefasst wird:

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Der aus dem Gefängnis in Diez geflohene Mörder dürfte nach Einschätzung des Wiesbadener Kriminologen Rudolf Egg schon bald wieder hinter Schloss und Riegel sitzen. „In der Regel dauert so eine Flucht nicht sehr lange. Das halten diese Leute nicht lange durch“, sagt Egg. Meist gebe es nur einen kleinen Kreis von Kontaktpersonen, bei denen sich ein Flüchtiger verstecken kann. „Manche sind regelrecht froh, wenn sie wieder geschnappt werden. Die trauen sich ja kaum noch vor die Tür.“

Die Ermittler bleiben nach wie vor dabei: Es wird nicht öffentlich nach dem verurteilten Mörder und Vergewaltiger gefahndet. „Wir überprüfen diese Frage laufend“, so Frankenthaler Oberstaatsanwalt Hubert Ströber. Man wolle jedoch verhindern, dass der Flüchtige durch Informationen aus den Medien Rückschlüsse auf die Ermittlungen ziehen könne.

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Ob eine öffentliche Fahndung sinnvoll sei, komme immer auf den Einzelfall an, sagt Rudolf Egg. „Ziel sind zwei Dinge: Den Flüchtigen schnell fassen und die Allgemeinheit schützen.“ Zu berücksichtigen sei, dass im Fall eines öffentlichen Fahndungsaufrufs auch viele unnütze Hinweise eingingen, die alle geprüft werden müssten. Mit diesem Argument hatte auch die Staatsanwaltschaft Frankenthal den Verzicht auf die öffentliche Fahndung begründet. Zu diesem Mittel wird Egg zufolge deshalb vor allem dann gegriffen, wenn der Flüchtige als extrem gefährlich eingestuft wird.

Hintergrund

Am 15. Mai 1995 bringt Sascha B. seine Bekannte Margot N. (46) in ihrer Wohnung in Oggersheim um. Erst drei Jahre danach wird der heute 47-Jährige nach einer versuchten Vergewaltigung geschnappt, 1998 vom Frankenthaler Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seit Anfang 2000 saß Sascha B. in der JVA Diez ein. Am Dienstag, 7. Juni 2016, haut der verurteilte Mörder und Vergewaltiger während eines Begleitungsausgangs im Limburger Stadtgebiet ab und ist seitdem auf der Flucht (WIR BERICHTETEN). Erst rund eine Woche später kommt der Fall ans Licht – Staatsanwaltschaft und Ermittler geraten unter Druck.

Auch der rheinland-pfälzische Justizminister Herbert Mertin (FDP) wird erst fünf Tage später davon in Kenntnis gesetzt, dass der Gefangene nicht aus der Lockerung des Vollzugs zurückkam. Künftig soll er über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse und besonderer Bedeutung informiert werden. „Diese Handhabung ist nun auch für die Zukunft sichergestellt und wurde zwischenzeitlich zwischen den Betroffenen kommuniziert“, teilt Mertin am Mittwoch mit.

dpa/kab

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