Kaffeebecher mit abgebrochenen Henkeln. Foto: Rolf Vennenbernd
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Kaffeebecher mit abgebrochenen Henkeln. Foto: Rolf Vennenbernd
Die Überreste eines verbrannten Hochzeitskleids in einem Einmachglas. Foto: Rolf Vennenbernd
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Die Überreste eines verbrannten Hochzeitskleids in einem Einmachglas. Foto: Rolf Vennenbernd
Eheringe. Foto: Rolf Vennenbernd
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Eheringe. Foto: Rolf Vennenbernd
Voller Aschenbecher. Foto: Rolf Vennenbernd
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Voller Aschenbecher. Foto: Rolf Vennenbernd
Ein Objektkasten mit Erinnerungsstücken. Foto: Rolf Vennenbernd
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Ein Objektkasten mit Erinnerungsstücken. Foto: Rolf Vennenbernd
Ein japanisches Schwert. Foto: Rolf Vennenbernd
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Ein japanisches Schwert. Foto: Rolf Vennenbernd
Rastazöpf. Foto: Rolf Vennenbernd
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Rastazöpf. Foto: Rolf Vennenbernd

Im Museum der zerbrochenen Herzen

Zigarettenstummel, ein Büschel Haare, ein Rad mit plattem Reifen: Dem "Museum of Broken Relationships" haben Menschen Alltagsgegenstände überlassen, die sie an das Ende ihrer Beziehung erinnern. Zu Besuch in einer ungewöhnlichen Ausstellung in Köln.

Köln (dpa) - Nein, die Flusen haben es nicht in das Museum geschafft. Am Ende wollte die Frau, die die Wollfusseln beständig aus dem Bauchnabel ihres Ex-Freundes gefischt hatte, sie dann doch nicht Kai Kullen überlassen.

Der Kurator des "Museums of Broken Relationships" in Köln trägt es mit Fassung, auch wenn ihm da wohl ein Highlight durch die Lappen gegangen ist. "Sie hatte sie schön in einem Gläschen. Wie eine Reliquie", erzählt Kullen.

Andere haben keinen Rückzieher gemacht. Das Museum - eigentlich ist es eine Wanderausstellung - sammelt Alltagsgegenstände, die von zerbrochenen Beziehungen erzählen. Initiatoren sind die Künstler Olinka Vistica und Drazen Grubisic aus Zagreb. Mittlerweile haben die beiden schon Tausende dieser Gegenstände gesammelt. In Köln gastiert die Ausstellung bis zum 15. Mai, Anlass ist das Sommerblut Festival.

Die Sammlung aus Relikten zerstörter Romanzen setzt sich aus Spenden zusammen. Vor Eröffnung der Ausstellung war dazu aufgerufen worden, etwas beizusteuern. Wer es tat, bekam Anonymität zugesichert. Und mit jedem Stück wurden ein paar erklärende Sätze eingereicht. Überprüfbar sind die Geschichten nur bedingt. Aber nur in der Anonymität sind so private Blicke in angeknackste Seelen denkbar.

Manche Ausstellungsstücke sprechen sehr für sich, etwa das Brautkleid, das verbrannt und in ein Marmeladenglas gefüllt wurde. Oder die Überbleibsel in der "Fetischecke", wie sie Kurator Kullen nennt. Da liegt ein Dildo, verschenkt, weil man sich doch geschworen hatte, keinen Sex vor der Ehe zu haben. Kam wohl nicht so gut an.

An anderer Stelle ist ein japanisches Schwert zu sehen, das eine Frau von ihrem Asien-Aufenthalt mitbrachte. Der Beschenkte stellte jedoch fest, dass es die Japaner in dieser Variante für Harakiri vorsehen, die Selbsttötung. Kurz danach war der Deckel auf der Beziehung.

Andere Überbleibsel sind unscheinbarer. Etwa die zwei Tassen mit abgebrochenen Henkeln, die einst ein Paar begleitet hatten. Bis er Schluss machte, nonchalant per Skype im Auslandssemester. "Er hatte eine aus Bielefeld kennengelernt, 10 Jahre jünger, Au-pair und angeblich sooo weltoffen", schreibt dazu die oder der Zurückgelassene. Die Stadt wird gleich in Mithaftung genommen. "Ich war stinksauer, auf ihn, auf mich, auf "Bielefeld"."

Wut, Verzweiflung, Trauer, Ungläubigkeit, Scham - wer schon mal Liebeskummer hatte, wird sich in dem Museum ertappt fühlen. Manche Geschichten sind laut und bizarr, andere erzählen von den eher leisen Brüchen in einer Liebe, die sie still sterben lassen. Manchmal ist die Ausstellung auch lehrreich, weil sich gewisse Muster erkennen lassen. Grob gesagt: Auslandssemester sind für Paare ein gefährliches Pflaster. Auch der Karneval spielt in Liebesdramen eine nicht unwichtige Rolle. Jemand hat dazu eine Tube Herpes-Creme eingereicht. Rund die Hälfte der Gegenstände stammen von Menschen aus der Umgebung.

Angelika Jäkel sagt offen, was sie dem Museum überlassen hat - einen ganzen Kasten, gefüllt mit Rosen, Tee, auch Haaren. Sie sammelte sie damals für ihren Freund, wie sie erzählt. Die beiden hatten sich 2001 im Kölner Karneval kennengelernt. 2007 trafen sie sich zufällig genau dort wieder und beschlossen, dass es Schicksal sein musste. Er lebte in Paris, aber die Fernbeziehung funktionierte. "Dann habe ich den großen Fehler gemacht und habe ihn in meine Wohnung ziehen lassen", sagt sie.

Irgendwann machte er Schluss per SMS. Den Kasten mit den Erinnerungen ließ er zurück. Dass er jetzt im Museum hängt, weiß der Mann nicht.

Museum of Broken Relationships in Köln

Facebook-Seite der Ausstellung

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