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Heribert Faßbender.

Heribert Faßbender 

"Mister Sportschau" wird 75 und sagt "Tschüss allerseits"

Köln - Heribert Faßbender war lange Jahre das Gesicht der ARD-„Sportschau“. Mit fast 75 Jahren schaut er aber auch andere Fußball-Sendungen - der Termin am Samstag um 18 Uhr ist nicht blockiert.

Wer Heribert Faßbender anruft und ihn nicht sofort erreicht, wird auf freundliche Art und Weise vertröstet. „Guten Tag allerseits“, tönt der Anrufbeantworter. Stimme und Wortwahl klingen vertraut: Mit dem legendären Ausspruch „Guten Abend allerseits“ hat der Journalist und langjährige „Sportschau“-Chef Fernsehgeschichte geschrieben - die Drei-Worte-Floskel lässt sich prima auf „Gutnabendallerseits“ reduzieren. Am Montag (30. Mai) will Faßbender seinen 75. Geburtstag im kleinen Kreis feiern.

„Als ich das zum ersten Mal gesagt habe, gab es viel Zuspruch. Der spätere Bundespräsident Johannes Rau war einer der ersten Fürsprecher“, berichtet Faßbender, der aus Ratingen bei Düsseldorf stammt. Fortan begrüßte er das TV-Publikum mit jenem Spruch, der sein Markenzeichen wurde und es bis heute geblieben ist. „Auf der Straße sprechen mich viele Leute an. Sie haben meinen Namen nicht sofort parat, der Satz fällt ihnen aber immer ein.“

Faßbender ist ein Kind der Fußball-Bundesliga. Als Jura-Student begann er seine Karriere 1963 beim Hörfunk des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Später leitete er von 1979 bis 1982 das Funkhaus in Düsseldorf, ehe er die WDR-Programmgruppe Sport übernahm und Nachfolger von „Sportschau“-Chef Ernst Huberty (heute 89) wurde. Faßbender berichtete über acht WM- und neun EM-Turniere, Länderspiele, neun Olympische Spiele und moderierte mehr als 400 Mal die ARD-„Sportschau“. Das brachte ihm den Beinamen „Mister Sportschau“ ein.

Und was macht der Jubilar zehn Jahre nach Ende seiner Dienstzeit samstags um 18 Uhr? „Am Pokalsamstag habe ich Golf gespielt. Ich gucke die „Sportschau“ hin und wieder, aber nicht immer“, sagt Faßbender. „Mister Sportschau“ verfolgt die Bundesliga lieber live beim Bezahlsender Sky. Das sei aber keineswegs eine Art Hochverrat. „Das muss man viel lockerer sehen. Die Zeiten sind deutlich entspannter geworden“, erklärt er.

Neben Fußball war Tennis seine zweite große Sport-Leidenschaft. 1985 kommentierte Faßbender das legendäre Davis-Cup-Match von Michael Westphal gegen den Tschechen Tomas Smid. Der Reporter konnte den damaligen ARD-Sportkoordinator Hans-Heinrich Isenbart kurz vor 20 Uhr davon überzeugen, das Marathon-Match über 5:29 Stunden auch im ARD-Abendprogramm live zu zeigen. „Hinterher schrieb mir eine 80-jährige Dame, wie ich es schaffen konnte, so lange zu sprechen, ohne auf die Toilette gehen zu müssen“, erinnert sich Faßbender.

Zahlreiche Anekdoten kann Faßbender erzählen - am Mikrofon ging in 40 Jahren mancher skurrile Spruch oder Kalauer daneben. Die Kritiker auf den Medien-Seiten und im Feuilleton griffen das gerne auf und kritisierten Faßbender ziemlich hart, teilweise auch mit Häme. Über einige Sätze schmunzelt der agile Ruheständler inzwischen selbst: „1990 habe ich den Schiedsrichter in die Pampa geschickt.“ Das war beim WM-Achtelfinale Deutschland gegen Niederlande (2:1), als sich Faßbender über den argentinischen Schiedsrichter echauffierte.

Im vorgerückten Alter tritt er etwas kürzer. Er ist nicht mehr im Gesellschafterausschuss bei Bayer Leverkusen und gab kürzlich das Präsidentenamt im Verband Westdeutscher Sportjournalisten (VWS) nach 14 Jahren ab. Die Mitglieder ernannten ihn zum Ehrenpräsidenten. Das war für den Journalisten, der weiter Vorträge hält, Veranstaltungen moderiert und in Talkshows auftritt, ein rührender Moment. „Ich muss mir aber nichts mehr beweisen“, sagt Faßbender.

dpa

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