+
"Little Sisters" und "Big Daddys" in Rapture lassen einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Spieletest

Spiele im Test: BioShock - The Collection

München - Eine der besten Shooter-Reihen aller Zeiten erstrahlt jetzt auf der aktuellen Konsolengeneration in neuem Glanz. Lohnt sich der Kauf von "BioShock - The Collection"?

Das ist wohl der Prototyp eines wirklich miesen Tages: Erst stürzen wir mit dem Flugzeug ab. Als einziger Überlebender findet man sich wenig später in einer geheimen Untersee-Stadt wieder, in der ganz offensichtlich alle Bewohner komplett verrückt geworden sind... 2007 erschien "BioShock" zum ersten Mal. Und krempelte quasi im Alleingang das Shooter-Genre komplett um. Hatten Ego-Shooter bis dahin in der Regel den Anspruch eines Herrenmagazins und Geschichten, die sich hervorragend auf einem Bierdeckel zusammenfassen ließen, so bewies "BioShock", dass anspruchsvolle Geschichten auch in diesem Genre möglich sind.

"BioShock" erzählt die Geschichte einer gescheiterten Utopie. Die Geschichte der Idee von absoluter Freiheit in einer Stadt tief unter dem Meeresspiegel. Die Geschichte des Traums von Andrew Ryan, der sich in einen grotesken Albtraum verwandelt. Alles hat mit "Adam" zu tun, jener rätselhaften Droge, die Menschen mit besonderen Fähigkeiten ausstattet. Die sie abhängig macht und in den Wahnsinn treibt. Und so stolpern wir in eine Welt voller aggressiver Junkies, voller kleiner Mädchen, die - begleitet von den schauderhaften, riesigen "Big Daddys" - durch die Stadt streifen und schauen, wem sie "Adam" abzapfen können. Das ist genauso gruselig und spannend, wie es klingt, hat auch neun Jahre nach dem Erscheinen des Spiels nichts von seiner Intensität verloren. Ganz nebenbei werden philosophische Fragen nach den Grenzen von Freiheit und Fortschrittsglauben, nach Schuld und Verantwortung beantwortet. "BioShock" ist ein Meisterwerk.

"BioShock 2" geht ins andere Extrem

Ähnlich gut, aber inhaltlich eher eine große Erweiterung war "BioShock 2", das im Februar 2010 erschienen ist. Es spielt acht Jahre später. Nun hat Sofia Lamb die Herrschaft über die Untersee-Stadt Rapture übernommen. Statt der Diktatur des Egoismus, die im ersten Teil herrschte, zielt sie darauf, sämtliche egoistischen Umtriebe komplett abzuschaffen. Wir als Prototyp einer neuen Generation von "Big Daddys" müssen das verhindern, um Lambs Tochter Eleonore zu retten. Spielerisch hat sich im zweiten Teil nicht viel getan, spannend und anspruchsvoll ist es dennoch.

Ohnehin ist der eigentliche Star der ersten beiden "BioShock"-Teile die Stadt "Rapture" mit ihrem fantastischen Art-Deco-Stil. Jede Ecke der Levels lädt zum Staunen und Entdecken ein, keine Sekunde vergisst man, dass man sich einer fantastischen Stadt am Meeresgrund befindet. Schon allein die erlesene Gestaltung der Spielwelt vermag auch heute noch in Erstaunen zu versetzen.

"BioShock Infinite" mit einem der besten Enden der Spielegeschichte

Umso erstaunlicher war dann der Bruch, der 2013 mit "BioShock Infitite" vollzogen wurde - dem vielleicht besten Spiel der Reihe. In der Rolle eines Privatdetektivs Booker de Witt erwachen wir in "Columbia", der Stadt in den Wolken. Einer Stadt, die aussieht wie das Destillat des amerikanischen Traums. Vorgeblich friedlich, frei und tiefgläubig. Hinter der Fassade, wie wir schnell merken, ist sie allerdings rassistisch, repressiv und zerrissen in einem Bürgerkrieg zwischen den "Gründervätern" und den "Vox Populi". Übergreifendes Thema ist auch hier wieder die Gefahr von radikalen Ideen, die vorgeben, freiheitlich zu sein und doch keine Gedanken abseits der eigenen Ideologie dulden. Und so geraten wir, während wir nur versuchen, die geheimnisvolle Elisabeth zu beschützen, immer tiefer in den Strudel von Gewalt und Exzess, sehen, wie sich die vermeintlich heile Welt in ein blutiges Chaos verwandelt. Erleben, wie die Geschichte immer surrealer wird - bin hin zu einem der eindrucksvollsten und unvergesslichsten Enden der Spielegeschichte.

Aufpolierte Neuauflage mit allen drei Teilen

Wer nun diese drei absoluten Spieleperlen bislang verpasst hat, volljährig ist und Grusel und Brutalität vertragen kann, der hat nun wirklich keine Ausrede mehr. In "BioShock - The Collection" finden sich alle drei Titel in aufpolierter Version für die aktuelle Konsolengeneration. Rein optisch hat sich relativ wenig getan, was aber nicht schlimm ist. "Rapture" beeindruckt noch wie am ersten Tag, "Columbia" ist eine Augenweide. Sicher, manche Textur ist nicht so scharf, wie es heute möglich wäre - aber das fällt wirklich nicht ins Gewicht. Zum Paket gehören auch alle Bezahlerweiterungen, die für alle Titel erschienen sind.

Bei den Extras der "Collection" war man indes sehr sparsam. Lediglich für den ersten Serienteil gibt es eine Art Making-Of, ein langes Interview mit den Entwicklern. Die einzelnen Teile davon muss man allerdings erst einmal in der Spielwelt ausfindig machen. Das war es dann allerdings auch.

Fazit

"BioShock - The Collection" vereint die vielleicht klügsten, anspruchsvollsten und besten Shooter der vergangenen Jahre. Jedem, der die Titel bislang verpasst hat und sie nun in der derzeit besten Version auf PS 4 oder XBox One spielen möchte, kann ich sie uneingeschränkt empfehlen. Wer die Titel allerdings kennt, muss schon Sammler oder Enthusiast sein, um sie sich ein weiteres Mal zuzulegen. Die gebotenen Extras sind dann den erneuten Kauf nicht wert, die Modernisierungen der Grafikeffekte kaum wahrnehmbar.

Trailer

Kommentare