+
Vor der H4-Polizeiwache passierten die tödlichen Messerstiche. 

Tag 2 im Prozess um Bluttat in Quadraten

Polizist aus H4-Wache: „Habe kein Messer gesehen“

Mannheim-Innenstadt – Tag 2 im Prozess um die Bluttat vor der H4-Wache. Nachdem der Angeklagte Mehmet S. (22) schweigt, am Dienstag die mit Spannung erwartete Aussage des Polizisten.

Er gilt als einer der wichtigsten Zeugen im dramatischen Fall der Bluttat vor der H4-Wache im September 2014, bei der Mustafa A. (†20) mit vier Messerstichen getötet wurde – Polizist Steffen S. 

Am Dienstag sagt er in Saal 2 des Mannheimer Landgerichts aus.

In seiner rund einstündigen Aussage berichtet der junge Polizist, wie er zunächst Geschrei vor der Wache wahrgenommen und im Halbdunkeln eine Schlägerei zwischen fünf bis sieben Personen gesehen habe.

Der 25-Jährige war zur Tatzeit alleine in der Wache, weil alle sechs Kollegen unterwegs zu einer Schlägerei und einem Leichenfund im Einsatz waren. Laut Polizeipräsident Thomas Köber („Er hat sich sehr tapfer verhalten!“) waren Krankheit und Urlaub der Grund für die Mindestbesetzung – normal seien elf Beamte.

Fatal: Aufgrund einer ‚Sicherheitsschleuse‘ konnte Steffen S. die Wache nicht verlassen, da ein Kollege zwei Türöffner hätte betätigen müssen.

Deshalb klettert der Ordnungshüter am Abend des 4. September „ohne Schutzweste“ aus dem Fenster, trennt den auf einen am Boden Liegenden einprügelnden „Hauptaggressor“ mit drei Schlagstock-Hieben von seinem Kontrahenten: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt des kompletten Geschehens ein Messer gesehen oder wahrgenommen!

Als die Streithähne auseinandergehen, nutzt der Beamte die vermeintliche Ruhe und klettert zurück ins Revier, um per Funk Verstärkung anzufordern – in diesen Minuten passieren die tödlichen Stiche. 

Im Inneren der H4-Wache hört Steffen S. erneutes Geschrei („Er wurde abgestochen! Er wurde abgestochen!“), sieht auf der Überwachungsanlage, dass ein Mann blutend zusammenbricht.

Sofort schnappt er sich einen Erste-Hilfe-Kasten und steigt erneut aus dem Fenster. Während sich ein Passant um den Verletzten kümmert, hält der Polizist die Schaulustigen zurück und sperrt den Tatort ab.

Erst dann habe er gesehen, dass der Vater des Opfers auch Verletzungen habe, erklärte der Beamte. Der Mann sei bis dahin immer nur auf und ab gegangen, habe gewimmert und immer wieder einen Namen wiederholt. 

Mit Blumen und Karten gedachten viele Mannheimer dem Toten.

In der Folge sollen es bis zu 200 ‚Gaffer‘ gewesen sein, die teilweise mit Handys filmten – und die Rettungskräfte behinderten und bedrohten„Helfen sie, sonst bringen wir sie um“. 

Laut Staatsanwaltschaft (und auch Polizeipräsident Köber) ist dem Polizisten kein Fehlverhalten nachzuweisen.

Eine Rettungssanitäterin berichtet, dass sie Mustafa A. mit dem Gesicht in einer großen Blutlache liegend vorgefunden habe. Er habe aus dem Mund geblutet und keine Lebenszeichen mehr von sich gegeben – kein Puls, keine Atmung.

Beim Entkleiden des Opfers im Rettungswagen sieht sie dann deutlich zwei Einstiche am Schlüsselbein und einen in den Brustkorb. Die tödlichen Verletzungen: „Wiederbelebungsmaßnahmen machten keinen Sinn.“ Vergeblich wird Mustafa A. ins Theresienkrankenhaus eingeliefert. 

Niedergestochen: 20-Jähriger vor Polizeirevier getötet

Hintergrund

Zusammen mit drei Begleitern soll der dringend Tatverdächtige Mehmet S. seinen damaligen Chef Talat A. (44) und dessen Sohn Mustafa A. wegen Lohnstreitigkeiten um 2.400 Euro mit einem Klappmesser angegriffen haben. Die Anklage lautet auf Verdacht des Totschlags sowie schwere Körperverletzung.

Am ersten Prozesstag hatte der bei der Tat selbst durch Stiche verletzte Nebenkläger Talat A. eingeräumt, die tödliche Messerattacke gar nicht gesehen zu haben. 

Der Vorsitzende Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen.

So war Richter Dr. Ulrich Meinerzhagen auch nach A.s eineinhalbstündiger Aussage nicht klar, wer letztendlich der Täter ist. Im Gegenteil: Die Nebenklage geht sogar von einer gemeinschaftlich verübten Tat aus! Der anfängliche Tatverdacht gegen Mehmet S.s drei Begleiter wurde fallengelassen.

Der ältere Bruder des Angeklagten, Nihat S., machte am Dienstag von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch – der 30-Jährige war einer der drei Begleiter von Mehmet S.

Der Prozess wird am 29. April fortgesetzt. 

>>>Angeklagter (22) doch kein Einzeltäter? Er schweigt!

nis

Fotos: Meterhohe Rauchsäule über Industriehafen!

Fotos: Meterhohe Rauchsäule über Industriehafen!

Pop-Up Christmas Bar „Chez Rudolf“ im Jungbusch eröffnet!

Pop-Up Christmas Bar „Chez Rudolf“ im Jungbusch eröffnet!

Große 90er-Live-Party in der Maimarkthalle

Große 90er-Live-Party in der Maimarkthalle

Kommentare