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Tocotronic Sänger Dirk von Lowtzow (Zweiter von li.) im Interview.

Das „erotische Moment“ im „Roten Album“

Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow im Interview

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Mannheim -  MANNHEIM24 spricht mit Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow über die Schwierigkeit, Liebe in Worte zu fassen, über das Hadern mit sich selbst und über die erotischen Momente im „Roten Album“.

Seit über zwanzig Jahren schaffen es Tocotronic immer wieder, die Massen zu bewegen. Als Jungs der "Hamburger Schule", mit ihren asymetrischen Haarschnitten und Trainingsjacken, setzten sie Trends und wühlten eine ganze Generation auf, die ihre Lieder auswendig lernte. Nun erschien im Mai ihr elftes Album.

Warum habt ihr das am 1.Mai erschienene Album „Das Rote Album“ genannt? Geschah das an Anlehnung an das „Das Weiße Album“ von 2002? 

Das hast du sehr gut beobachtet. Sicherlich hat das weiße Album bei der Namensgebung eine Rolle gespielt. Wir haben aber nicht gesagt: ‚Wir machen jetzt das rote Album!‘ So etwas ergibt sich im Gespräch und entsteht aus dem Prozess heraus. Das weiße und das rote Album sind beides Werke aus der popmusikalischen Richtung. Die anderen Alben sind Live-Alben. Die sind roher, ausgefranster und zeigen uns eher von der rockigeren Seite.

Also wolltet ihr es diesmal ruhiger angehen lassen?

Ich würde nicht sagen, dass es etwas mit ruhig oder nicht ruhig zu tun hat. Wir oszillieren eben zwischen zwei Polen. Der Liebe zu lauter und verzerrter Rockmusik und der Liebe zur Popmusik. Die Liebe schlägt in eine oder in die andere Richtung, mal stärker und mal schwächer aus.

Wie ging das Schreiben der Texte von der Hand?

Also ich würde sagen, dass es eine eher schwere Geburt war. Das Thema Liebe hat einen schnell in der Hand. Wenn man über Liebe schreiben will, muss man die Gefühle nah an sich herankommen lassen. Man ist dann gezwungen, über seine vergangenen Beziehungen nachzudenken. Das war nicht nur angenehm...

Wie verliefen die Aufnahmen im Studio?

Wir waren mit Moses Schneider im Studio, schon zum fünften Mal. Aber wir hatten auch einen neuen Produzenten dabei, Markus Gatner. Es war eine tolle Mischung. Es war eher experimentelles Arbeiten, wir haben sehr viel im Studio rumgepuzzelt, wie man so schön sagt. Das Ergebnis war bis zum Ende noch völlig unklar. Ich fand das sehr spannend.

Worauf können sich die Fans beim „Roten Album“ ganz besonders freuen?

Puh, das kann ich nun wirklich nicht so sagen. Ich kann ja schlecht sagen: ‚Hey, der Song ist besser als Bier.‘ Ich weiß, dass man heutzutage auch teilweise dazu gezwungen wird, als Künstler Marketing zu betreiben, aber das kann ich nicht. Das wäre ja furchtbar! Dann müsste ich ja von allem und von mir zutiefst überzeugt sein! Man hadert ja immer mit sich. Das gehört ja auch zum künstlerischen Prozess dazu. Und so ein Album ist immer eine schwere Geburt.

Im roten Album ist ja auch Sex ein Thema. Habt ihr nicht einmal gesagt, dass man nur auf Englisch über Sex singen kann? Warum habt ihr eure Meinung geändert?

Es gibt da so einen Spruch von Marcel Proust: ‚Die guten Bücher sind in einer Art Fremdsprache geschrieben.‘ Als wir früher diese Aussage gemacht haben, meinten wir glaube ich, dass Englisch eben die Popsprache schlechthin ist. Mit einer Fremdsprache kann man gut Distanz zu den Dingen aufbauen. Das ganze Album ist von Liebe durchzogen. Das funktioniert nun mal nicht ohne Körperlichkeit. Auch sexuelle Komponenten spielen da mit rein. Wir haben in den Songtexten ja keine expliziten Beschreibungen drin, sondern haben versucht, erotische Momente einzufangen. Wir sagen nicht, wie man an einander herumzudoktern hat, wie das in Zeitschriften immer wieder zu lesen ist. Es geht um die Verzauberung, man ist aufgewühlt und aufgeregt. Darum geht es ja auch bei der Kunst und das kommt im Idealfall auch bei den Leuten an. Kunst soll aufwühlen und auch erregen. In künstlerischen Äußerungen schwingt immer ein erotisches Moment mit.

Für alle, die vom Tocotronic-Sound einfach nicht genug bekommen können: Noch in diesem Jahr treten die Jungs auf einer Mannheimer Bühne auf! Am 11. Oktober 2015 wird allen Fans in der „Alten Feuerwache“ ordentlich Dampf unter dem Kessel gemacht. Tickets gibt's im Vorverkauf für 29 Euro.

kp

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