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Südzucker steht vor dem Mannheimer Landgericht (Symbolfoto).

Schadensersatzklagen

Südzucker vor Gericht

Mannheim - Die Klagewelle gegen die drei großen Zuckerhersteller reißt nicht ab. Immer mehr Kunden verklagen Südzucker und Co. wegen verbotener Wettbewerbsabsprachen auf Schadensersatz.

Zucker steckt in unzähligen Produkten – und normalerweise ist das ein Grund zur Freude für die Hersteller Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen (Diamant-Zucker). 

Derzeit allerdings bedeutet das auch, dass es eine lange Liste potenzieller Kläger aus der Lebensmittelbranche gegen sie gibt: Die Zuckerproduzenten stecken mitten in einer Klagewelle, deren Ende nicht absehbar ist. 

Kartellamt: Preise und Vertriebsgebiete abgesprochen 

Die drei Firmen haben nach Überzeugung des Bundeskartellamts über viele Jahre hinweg Preise abgesprochen und Vertriebsgebiete unter sich aufgeteilt. 

2014 verpflichtete die Behörde die Unternehmen deshalb zur Zahlung von 280 Millionen Euro Bußgeld. Seither häufen sich die Klagen von Unternehmen, die befürchten, wegen des Kartells zu viel für den Zucker in ihren Produkten gezahlt zu haben.

Südzucker vor Gericht

Zum Auftakt des Prozesses zwischen der Goldeck Süßwaren GmbH (Marke Zetti) und Südzucker vor dem Mannheimer Landgericht am Freitag wird das Grundproblem aller Verfahren in dieser Sache deutlich: Der beklagte Zuckerhersteller sagt, die Preise im regulierten Zuckermarkt wären auch ohne Kartell nicht anders gewesen und ein wirtschaftlicher Schaden sei den Kunden nicht entstanden. 

Ein Goldeck-Anwalt wies das zurück: „Wenn man Kunde eines Kartells ist, dann ist man vom Kartell betroffen.“ Der Süßwarenhersteller will mehr als 900.000 Euro Schadenersatz plus Zinsen aus den Jahren 2000 bis 2010 erstreiten. Der Vorsitzende Richter schlug vor – wie bereits in einem anderen Verfahren – einen Gutachter einzuschalten, der die Frage klären soll, ob ein Schaden entstanden ist oder nicht. Beide Seiten bekamen Bedenkzeit, der nächste Gerichtstermin ist am 21. Oktober.

Wir nehmen jedes dieser Verfahren sehr ernst“, 

sagt ein Südzucker-Sprecher. „

Alle unsere Kunden können natürlich überlegen, ob sie klagen wollen oder nicht. Wir sagen: ‚Hier ist kein Schaden entstanden.‘“

 

Das Thema sei für die Öffentlichkeit sehr dominant. „Für uns ist es ein Thema unter vielen – uns beschäftigen andere Themen mindestens ebenso sehr.“ Klar sei aber: „Es wird uns die nächsten Jahre beschäftigen.“ 

Nordzucker und Pfeifer & Langen haben sich Südzucker in dem Mannheimer Verfahren laut einer Gerichtssprecherin als Streithelfer angeschlossen. Streithelfer können sich aus eigenem rechtlichen Interesse an einem Prozess beteiligen, ohne selbst direkt betroffen zu sein. Sie können die Partei, der sie sich anschließen, unterstützen.

Dutzende weitere Klagen

Wegen verbotener Wettbewerbsabsprachen hat auch Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei DMK nach eigenen Angaben eine Kartellschadensersatzklage eingereicht. Die von den Kunden geforderte Summe könnte das Bußgeld des Kartellamts noch übersteigen: Nach Informationen des „Handelsblatt“ gibt es mehr als 35 Kläger, die insgesamt eine halbe Milliarde Euro fordern. 

Allein am Landgericht Mannheim sind wegen der Zuckerkartellvorwürfe bisher mehr als 20 Klagen diverser Lebensmittelunternehmen anhängig. In Hannover waren es zuletzt acht Verfahren, in Köln vier. Auch an anderen Standorten kann in der Sache Klage eingereicht werden. 

Der direkte wirtschaftliche Schaden für die Zuckerhersteller wäre aus Sicht des Düsseldorfer Kartellrechtsexperten Johann Brück gravierender als der Imageschaden. „Der Verbraucher nimmt das zur Kenntnis und ändert sein Verhalten kaum“, sagte er. Bei dem Produkt Zucker gebe es auch wenige Ausweichmöglichkeiten. Die Verfahren stehen und fallen ihm zufolge damit, ob ein Schaden der Kunden nachgewiesen werden könne. 

Die Reihe großer Firmennamen ist lang: Die Markenhersteller Bauer, Ehrmann und Zentis etwa fordern vor dem Kölner Landgericht gemeinsam Schadensersatz in Höhe von fast 119 Millionen Euro. Der Printenhersteller Lambertz klagt auf 11,6 Millionen Euro. Krombacher/Schweppes will eine Million Euro.

Christine Cornelius/Sönke Möhl/dpa/rmx

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