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Ob hier bald wieder Sporttrainings stattfinden?

Franklin-Areal

Von der Geisterstadt zum Vorzeige-Viertel?

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Mannheim-Käfertal – Eine Fläche, so groß wie die Mannheimer Innenstadt: Mit dem anstehenden Verkauf der Franklin Village, fragt sich nun, wie die Stadtgesellschaft sich hier in Zukunft wohlfühlen soll.

Verwaiste Spielplätze, Häuserzeilen ohne Bewohner, leere Straßen und Basketballfelder: Nach dem Abzug der US-Amerikaner wirkt das ehemalige Armeegelände Benjamin Franklin Village in Mannheim wie eine Geisterstadt

Besucher brauchen viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass es an dieser Stelle in einigen Jahren ein buntes, quirliges Vierte l geben soll. Wenn alles nach Plan läuft, werden hier dann 8000 Menschen ein neues Zuhause finden. In einem Mix aus neuem und saniertem Wohnraum, Gewerbe, Freizeitangeboten und Bildungseinrichtungen, durchzogen von Grün.

Fläche so groß, wie die Innenstadt

Vor den Planern liegt eine Mammutaufgabe. Das Areal, zusammen mit zwei benachbarten Flächen kurz Franklin genannt, misst 144 Hektar. Laut Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ist es die größte ehemalige US-Wohnsiedlung Deutschlands. 

Von der Geisterstadt zum Vorzeige-Viertel?

Eine besondere Herausforderung wird die Gestaltung der Quartiermitte. „Ein solches Gelände braucht eine lebendige Mitte, sonst ist es eine tote Stadt“, sagt Mannheims Konversionsbeauftragter Konrad Hummel.

2014 räumten US-Soldaten auf Franklin das letzte Gebäude. Fast 60 Jahre lang lebten und arbeiteten hier bis zu 10 000 Menschen, vor allem Soldaten und ihre Familien. Sie brauchten ihre Stadt in der Stadt eigentlich nicht zu verlassen, hier hatten sie alles, was sie zum Leben benötigten: einen riesigen Supermarkt, Sportplätze, eine Kirche, Schulen, Kino, Kasino, Bowlingbahn und sogar ein Hotel.

Bauarbeiten beginnen im Herbst

Die Planer versichern, dass ein buntes Viertel genau das ist, was sie möchten - mit ausreichend erschwinglichem Wohnraum. Im Herbst sollen auf Franklin die Bauarbeiten beginnen, nach der Vorstellung von Hummel ziehen schon Mitte 2016 die ersten Pioniere ein. Die Strukturen des Quartiers sollen in knapp zehn Jahren weitgehend stehen. „Wir werden die größte Baustelle der Stadt haben, dort zu wohnen ist anfangs nicht ganz ohne.“ Im Detail gebe es noch einige Schwierigkeiten, sagt Hummel bei einer Rundfahrt über das Gelände.

>>> Deal fast perfekt: Franklin-Areal wird verkauft!

Zum Beispiel ist keines der Häuser barrierefrei - und dabei soll in der geplanten Siedlung Inklusion, also die Integration Behinderter, großgeschrieben werden. Auch in Sachen Umweltschutz ist viel zu tun: In dem Viertel soll der Energieverbrauch intelligent gesteuert und mit einem elektromobilen Verkehrskonzept verknüpft werden.

Infrastruktur muss angepasst werden

Der riesige Supermarkt der Amis steht an der falschen Stelle: Er würde viel Autoverkehr direkt in die Stadt locken, und gerade das möchten die Entwickler nicht. „Das ist einer der vielen Widersprüche von Franklin, die mit der amerikanischen Stadtplanung zu tun haben“, sagt Hummel. Ebenso wie die große Basketballhalle ohne Umkleiden - die Amerikaner kamen einfach in Sportklamotten zum Training.

Für Mannheim bedeutet die Fläche Chance und Risiko zugleich, denn kaum etwas wäre für die Planer schlimmer als ein unzusammenhängendes Ghetto rund sieben Kilometer vom Zentrum entfernt. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) sagt: „Es kann nicht nur eine Entlastung des Wohnungsmarktes sein, sondern ein Angebot, das auch anzieht. Es ist ein Projekt, das uns helfen kann und ist mehr Chance als Herausforderung.“ 

Bislang ziehe Mannheim zwar zahlreiche Menschen zwischen 20 und 30 Jahren an, verliere aber zu viele im Alter zwischen 30 und 40. Das soll sich mit Franklin ändern.

dpa/sag

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