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Das MRT-Bild des Gehirntumors (heller Fleck).

Welt-Hirntumortag

Mit Strahlen gegen die Geschwulste im Kopf

Heftige Kopfschmerzen, die nicht verschwinden: Das können Anzeichen für einen Hirntumor sein. Nicht so bei Irmgard S. (65): Sie bemerkte nichts. Ihr Tumor wurde durch Zufall entdeckt.

Heute geht es ihr wieder gut. Eine Mutmachgeschichte zum Welt-Hirntumortag.

Diesen Satz wird Irmgard S., 65, nie mehr vergessen. Zwölf Jahre ist es jetzt her, als ein Hautarzt zu ihr sagte: „Ihr linkes Auge steht so seltsam vor – nehmen Sie doch mal die Brille ab!“ Bald darauf entdecken Ärzte, was den Augapfel nach außen gedrückt hatte: ein Hirntumor.

Die Diagnose war ein ziemlicher Schock für die Münchnerin. So wie für jeden der mehr als 7000 Menschen pro Jahr, die in Deutschland an einem Hirntumor erkranken. Patienten mit Hirnmetastasen, die von Krebserkrankungen in anderen Organen ausgehen, sind hier noch nicht mitgezählt.

Hirntumore sind selten

Hirntumore sind mit einem Anteil von zwei Prozent eine eher seltene Krebsart. Darum wird auch wenig darüber berichtet. Um das zu ändern, hat die Deutsche Hirntumorhilfe im Jahr 2000 den Welt-Hirntumortag initiiert. Er findet jedes Jahr am 8. Juni statt – also heute. In vielen Städten gibt es dazu Veranstaltungen, auch in München (siehe unten).

Dabei erfahren Interessierte zum Beispiel, woran man einen Hirntumor erkennt: Meist sind das starke Kopfschmerzen, die zunächst nur nachts und morgens auftreten – aber jeden Tag wiederkommen. Tabletten helfen oft kaum. Bei mehr als der Hälfte der Patienten verrät sich ein Hirntumor durch solche Kopfschmerzen. Bei den anderen sind die Beschwerden unspezifischer: Manche haben Sehstörungen, Probleme mit der Koordination oder gar Lähmungserscheinungen.

Symptome sind oft unspezifisch

Oder: Sie haben zunächst gar keine Beschwerden – so wie Irmgard S. „Ich selbst habe damals gar nichts gemerkt“, erzählt sie. Sie hat es ihrem aufmerksamen Hautarzt zu verdanken, dass die Diagnose dennoch früh gestellt wurde: Eine Untersuchung mit dem Magnetresonanztomografen (MRT) bestätigt den Verdacht. Die Aufnahmen zeigen einen Tumor im Schädel, im Bereich der linken Schläfe. Bald ist klar: Es handelt sich um ein „Meningeom“. Das ist ein Tumor, der sich aus den Zellen der weichen Hirnhaut bildet. Und: „Meningeome sind häufig gutartig“, sagt Priv.-Doz. Dr. Maximilian Niyazi von der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Klinikum der Universität München.

Gutartige Hirntumore können tückisch sein

Das war auch bei Irmgard S. so – eine Riesenerleichterung. Doch auch gutartige Hirntumoren sind tückisch: Sie brauchen Platz, lassen dadurch den Druck im Hirn ansteigen. Das ist die Ursache für die Kopfschmerzen, an denen so viele Patienten leiden. Wird der Tumor größer, drückt er zudem auf das umliegende Hirngewebe und kann es schädigen.

Der Tumor muss also raus – und zwar schnell. Irmgard S. wird operiert. Nach dem Eingriff erholt sie sich schnell, bald wachsen auch die vor dem Eingriff abrasierten Haare nach. Und viele Jahre lang zeigen die Kontroll-MRTs: alles in Ordnung. Bis Ende 2014. „Da habe ich auf dem linken Auge immer schlechter gesehen“, sagt Irmgard S.

Im Dezember geht sie zum Arzt. Bald ist klar: Da ist wieder ein Tumor, diesmal nahe am Sehnerv – und dicht neben einem wichtigen Blutgefäß. „Im Bereich der Schädelbasis“, sagt Niyazi. „Die Lage des Tumors in unmittelbarer Nachbarschaft zu kritischen Strukturen schränkt die operativen Möglichkeiten deutlich ein.“ Der Tumor kann daher nicht vollständig entfernt werden.

Strahlentherapie gegen den Hirntumor

Die Lösung: Eine Strahlentherapie soll den Resttumor zerstören. Dabei kommen „ionisierende Strahlen“ zum Einsatz. Sie sind zwar unsichtbar, aber hochwirksam: Sie schädigen die DNA, also das Erbgut der Zellen – und die wiederum sterben dadurch ab. Das Problem: Das kann auch mit gesunden Zellen passieren. Bei der Strahlentherapie komme es daher auf höchste Präzision an, sagt Niyazi.

Die erreicht man mit modernen Bestrahlungsgeräten. Sie erzeugen statt nur eines starken viele schwächere Strahlen, diese kommen aus vielen Richtungen – und zielen alle auf den Tumor („Intensitätsmodulation“). Dort addiert sich ihre Wirkung. Die kranken Zellen sterben dadurch ab, gesunde werden geschont.

Das klappt noch besser dank eines weiteren „Tricks“: Statt die volle Strahlendosis in einer Behandlung abzufeuern, wird mehrere Wochen lang fast täglich mit geringen Dosen bestrahlt. In der Zeit dazwischen erholen sich gesunde Zellen. Tumorzellen schaffen das nicht.

Irmgard S. wird daher im Klinikum Großhadern an 29 Tagen bestrahlt. Die Behandlung dauert jedes Mal nur wenige Minuten. Sie spürt nichts davon – zumindest nicht von den Strahlen. Denn vor der Behandlung wird ihr Kopf in eine enge Maske gezwängt. „Das zwickt ein wenig“, sagt sie. Die Maske und die Markierungen darauf sind unerlässlich – und zwar, um die Bestrahlungsgeräte millimetergenau auszurichten. Die Maske muss dazu perfekt sitzen. Für jeden Patienten wird daher eine eigene angefertigt.

Irmgard S. ist froh, dass sie die Maske nicht mehr braucht. Die letzte Bestrahlung liegt inzwischen mehr als ein Jahr zurück. Vor einer Woche war sie wieder im Klinikum Großhadern – zur Kontroll-Untersuchung. Die MRT-Aufnahme zeigte: kein neuer Tumor, alles in Ordnung. Mit jeder Nachkontrolle wachse ihre Zuversicht, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Von Andrea Eppner

Vom Vorträge, Informationen und Telefon-Hotline

Wird ein Hirntumor entdeckt, haben Betroffene viele Fragen. Doch für manche ist es gar nicht so leicht, kompetente Antworten darauf zu bekommen. Denn einige der etwa 130 Hirntumor-Arten sind sehr selten – entsprechend wenige Experten kennen sich damit aus. 

Der heutige Welt-Hirntumortag ist da eine gute Gelegenheit, um wichtige Informationen zu bekommen. Denn dazu finden heute Veranstaltungen in vielen deutschen Städten statt – auch in München. So hält Experte Prof. Jürgen Schlegel am Klinikum rechts der Isar um 15 Uhr einen Vortrag zum Thema „Was passiert in der Neuropathologie?“ (Ismaninger Str. 22, Bibliothek des Neuro-Kopf-Zentrums im 4. Stock, Eingang zur Neurologie ist „bei den roten Säulen“ an der Gebäuderückseite). Im Anschluss an den Vortrag können die Zuhörer mit Experten diskutieren und Fragen stellen.

Um gutartige Hirntumore – wie zum Beispiel Meningeome und Hypophysen- Adenome – geht es bei einer Veranstaltung im Klinikum Bogenhausen In München (Englschalkinger Str. 77, Hörsaal, EG). 

Von 16.30 bis 19.30 Uhr gibt es mehrere Vorträge, darunter einer zur Strahlentherapie. Über ein spezielles Verfahren der Bestrahlung mit dem sogenannten Cyberknife können sich Interessierte ab 16 Uhr am Europäischen Cyberknife-Zentrum (Max- Lebsche-Platz 31, München) informieren und dort auch das Gerät besichtigen. 

Um Therapien, neue Studien und um Palliativmedizin bei Hirntumoren geht es in Vorträgen, die ab 14 Uhr im Klinikum Traunstein (Cuno-Niggl-Straße 3, Neurochirurgie) angeboten werden. Von 17.30 bis 18.30 Uhr bietet die Klinik heute zudem eine Telefon-Hotline, erreichbar unter: 0861/7051005. 

Viele Informationen finden Sie zudem im Internet auf der Seite der Deutschen Hirntumorhilfe unter www.hirntumorhilfe.de


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