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Früher als spießig verschrien – heute schon wieder cool: der Schrebergarten! (Symbolbild)

Wieder im Trend

Der Schrebergarten: So was von...nicht spießig! 

Was früher spießig war, ist heute Trend: der Schrebergarten. Die eigene Parzelle wird zum grünen Wohnzimmer, in dem sich immer häufiger auch junge Familien erholen. Wie kommt's? 

Mit Nagelschere und Pinzette getrimmte Rasenflächen, akkurate Heckenreihen und lächelnde Gartenzwerge - Schrebergärten galten viele Jahre lang als Rückzugsort für Spießer. Doch das angestaubte Image verschwindet langsam, der Schrebergarten ist wieder modern.

Wie kommt es zu diesem Sinneswandel?

Die Antwort kennt Rüdiger Frank vom rheinland-pfälzischen Landesverband der Kleingärtner: „Heutzutage will niemand mehr weit fahren, um sich in der Natur zu erholen.“ Wer grillen oder sich einfach nur im Grünen entspannen wolle, aber keinen Garten habe, suche nach Alternativen. „Die Nachfrage nach freien Parzellen ist daher groß.“ 

Angebot in Rheinland-Pfalz ist knapp

Doch nicht für jeden Interessenten findet sich ein Stück Land. Im Gegenteil: Freie Parzellen sind im Moment fast nicht zu bekommen. Rund 13.000 Kleingärten gibt es in Rheinland-Pfalz - und alle sind verpachtet. Erst im vergangenen Jahr sind auf dem Gelände der Landesgartenschau in Landau 37 neue Parzellen entstanden. „Aber auch die sind mittlerweile alle schon vergeben“, sagt Frank.

Schrebergärten werden für junge Familien attraktiv

Ein Grund für die gestiegene Nachfrage sind die ‚neuen‘ Gärtner: junge Menschen und Familien mit Kindern. „Kleingärten sind mittlerweile ein Mehrgenerationenprojekt“, weiß auch Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG).

Zwar liegt das Durchschnittsalter der Pächter nach Zahlen des BDG bei rund 60 Jahren. Der Zulauf jüngerer Familien habe sich jedoch verstärkt:„Knapp die Hälfte der Neuverpachtungen der vergangenen Jahre gingen an Familien mit Kindern“, sagt Wagner. „Die jungen Eltern wollen ihren Kindern zeigen, wie Tomaten heranwachsen, wie Basilikum schmeckt und dass Himbeeren eine Existenz vor dem Tiefkühlregal hatten.“

Was ist mit den urbanen Gärten?

Die Idee der Kleingärten hat mittlerweile aber auch Konkurrenz bekommen: In urbanen Gärten wird, genau wie in Schrebergärten, Obst und Gemüse umweltschonend und in Eigenregie angebaut - allerdings mitten in der Stadt.

„Beim Urban Gardening geht es nicht primär um einen Rückzug aus der Stadt, erklärt Christa Müller, Soziologin und Leiterin der Stiftungsgemeinschaft anstiftung, die urbane Gärten fördert. „Man geht bewusst hinein in die Stadt und will sie auf eine neue Weise mitgestalten, kommentieren und verändern. Und das offen zugänglich für alle.“

Dennoch zieht es junge Eltern vermehrt in die Kleingärten.„Im Unterschied zu öffentlichen Räumen können sie hier ihre Kinder eben frei laufen lassen“, erklärt die Sozialwissenschaftlerin und Autorin Elisabeth Meyer-Renschhausen. „Eltern müssen hier keine Angst haben, dass, wenn die Kinder sich mal Erde in den Mund stecken, sich darin Reste von Spritzbestecken oder Zigaretten befinden.“

Auf einem Drittel der Fläche muss Obst und Gemüse wachsen! 

Und noch etwas unterscheidet Schreberparzellen von urbanen Gärten: Kleingärten sind rechtlich geschützt. „Menschen haben ein Grundrecht auf den Anbau von Obst und Gemüse“, sagt BDG-Mann Wagner. Deshalb brauche es triftige Gründe für die Auflösung einer Kolonie. Außerdem müsse in diesem Fall eine Ausweichfläche zur Verfügung gestellt werden.

Im Gegenzug verpflichten sich die Kleingärtner, tatsächlich Obst und Gemüse anzubauen. „Genau ein Drittel der eigenen Gartenfläche muss dafür verwendet werden, das schreibt die Gartenordnung vor“, erklärt Wagner. „Wer im Kleingarten nur Rasen säen und seine Tage auf der Hollywoodschaukel verbringen will, hat keine Chance!“ 

dpa/kp

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