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70 Besucher kommen zu dem Vortrag „Leben im Exil oder: Haben Pflanzen Rechte?“ von Prof. Dr. Marcus Koch.

Vortrag in Ladenburg

„Leben im Exil oder: Haben Pflanzen Rechte?“

Ladenburg - Auch einheimischen Pflanzen macht der Klimawandel zu schaffen – doch wer trägt für ihr Überleben die Verantwortung? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein Vortrag in Ladenburg:

70 Besucher kommen am Samstagabend im Domhof der Stadt Ladenburg zusammen, um den Vortrag „Leben im Exil oder: Haben Pflanzen Rechte?“ von Prof. Dr. Marcus Koch zu hören. Der Vortrag findet auf Einladung der Daimler und Benz Stiftung statt, die einmal im Jahr anlässlich des Treffens ihrer Stipendiaten einen herausragenden Forscher nach Ladenburg, dem Sitz ihrer Geschäftsstelle, einlädt. Koch ist Professor der Universität Heidelberg, Direktor des Heidelberger Botanischen Gartens und beriet die Bundesregierung mehrere Jahre in Fragen der biologischen Sicherheit.

„Wenn wir hierzulande eine Artenzählung vornehmen, so bringen wir weniger als 4.000 einheimische Blüten- und Pflanzenarten zusammen“, so Koch. „Zählen wir aber einmal durch, was in Deutschlands Botanischen Gärten und einigen Privatsammlungen kultiviert wird – so finden wir rund 50.000 Pflanzenarten.“ Vor rund 400 Jahren entstanden in Europa die ersten Botanischen Gärten. Sie entwickelten sich aus Klostergärten und Herbarien, die vor allem Gewürze und Heilkräuter kultivierten. Deshalb waren diese ersten Botanischen Gärten immer auch ein Teil der Medizinischen Fakultät der jeweiligen Universität. Recht früh schon, im Jahr 1593, wurde der Heidelberger Botanische Garten gegründet. 

Die Klimaerwärmung stellt für viele gut an ihren Lebensraum angepasste Pflanzen ein Problem dar. Die Botanischen Gärten erhalten deshalb systematisch die Samen bedrohter Arten.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte erfuhren die Botanischen Gärten immer wieder einen Bedeutungswandel, erläutert Koch. Weg von einer überwiegend medizinischen Kräutersammlung, hin zu lebendigen wissenschaftlichen Katalogen, die alles enthielten, was Forscher auf verschiedenen Kontinenten an exotischen Pflanzen sammelten. Gerade die Entdeckungsreisen des 19. Jahrhunderts, wie etwa jene Alexander von Humboldts nach Südamerika oder die Reise von Charles Darwin rund um den Globus, gaben dieser Sammelleidenschaft starke Impulse. Heute seien die Botanischen Gärten für die moderne Wissenschaft unverzichtbar: „Ob es um die Geschichte der Evolution oder um Molekularbiologie, um Genetik oder Pharmakologie geht –in diesen Oasen den Lebens finden wir lebendige Schätze, die unser Wissen außerordentlich bereichern.“ 

Während für Tiere heute das Tierschutzrechte gelte und sie als Lebewesen in vielen Bereichen schütze, sei die rechtliche Situation für Pflanzen weitgehend ungeregelt. Unklar sei etwa, unter welchen rechtlichen Bedingungen viele Pflanzen nach Deutschland in die Gewächshäuser gelangt seien. Auch wer für sie und ihr Überleben die Verantwortung trage, ob es überhaupt zulässig sei, sie in einer künstlichen Umgebung zu züchten oder ihnen vielleicht auch die Nachkommenschaft zu verweigern. 

„Eine zentrale Herausforderung stellt derzeit der Klimawandel und die Verschiebung der Klimazonen dar“, stellte Koch fest. „Viele Pflanzenarten sind mit der Geschwindigkeit dieser Veränderungen überfordert und drohen auszusterben. Die Botanischen Gärten sind deshalb eine Art Arche Noah für sie: Hier können viele von ihnen überleben und vielleicht eines Tages wieder ausgewildert werden. Es ist eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft, den Artenreichtum auch für künftige Generationen zu bewahren.“

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