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Der ADAC bemüht sich auf seiner Hauptversammlung um einen Neustart.

Präsidenten-Neuwahl verschoben

ADAC setzt künftig auf anonyme Tippgeber

Saarbrücken - Der zuletzt von Skandalen erschütterte Autoclub ADAC will künftig mit Hilfe anonymer Tippgeber internen Verfehlungen auf die Schliche kommen.

Der ADAC hat ein Hinweis-System gestartet, um mögliche Verstöße gegen Richtlinien oder gar Gesetze schneller entdecken zu können. Über das via Internet benutzbare Portal können Betroffene auch von außerhalb des ADAC anonym Hinweise auf Unregelmäßigkeiten geben, wie der Verein am Samstag auf seiner Hauptversammlung mitteilte. Die Meldungen werden allerdings nicht vom Autofahrerclub selbst verarbeitet, sondern gehen an eine externe Anwaltskanzlei, um die Unabhängigkeit der Überwachung zu gewährleisten. Vergleichbare Systeme gibt es auch bei großen Unternehmen.

Noch am Samstag wollte der Verein eine entsprechende Hinweisgeber-Plattform im Internet freischalten, "damit Fehlverhalten und Missstände in der gesamten ADAC-Organisation identifiziert und im Bedarfsfall auch entsprechend geahndet und abgestellt werden können", sagte Interimspräsident August Markl bei der Bundeshauptversammlung am Samstag in Saarbrücken.

Neuer ADAC-Präsident spätestens im Mai 2015

Der ADAC hat wie erwartet die Neuwahl seines Präsidenten verschoben. Der nach dem Rücktritt von Peter Meyer amtierende Vereinschef August Markl soll den Reformprozess des tief in der Krise steckenden Vereins zu Ende führen. Frühstens auf einer außerordentlichen Hauptversammlung, voraussichtlich Anfang Dezember, spätestens aber im Mai 2015 auf der planmäßigen Tagung des Gremiums in Bochum, wird dann ein neuer Präsident gewählt. Ein entsprechender Vorschlag der Vereinsführung wurde am Samstag von den Delegierten auf der Hauptversammlung in Saarbrücken einmütig gebilligt.

Der ADAC steht seit Jahresbeginn wegen immer neuer Vorwürfe in der Kritik. Zunächst waren im Januar Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekannt geworden. Diese "hatten den Effekt einer Lunte, die in ein Pulverfass gesteckt wird", sagte Markl. Für negative Schlagzeilen sorgten in den folgenden Monaten unter anderem die Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums oder die Organisation der Pannenhilfe. Es sei schnell klar geworden, "dass sich im ADAC in den Jahren des stürmischen Wachstums Schwächen und Defizite eingeschlichen hatten", gestand Markl ein.

Um verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen, unterzieht sich der zweitgrößte Autoclub der Welt derzeit einem Reformprozess. Dieser werde noch mindestens bis Ende des Jahres dauern, sagte Markl. Seinen Vereinsstatus wolle der ADAC dabei behalten, ebenso aber auch weiter unternehmerisch tätig sein, betonte der kommissarische Präsident. Die wirtschaftlichen Ziele allerdings solle der Club "auf ein sinnvolles Maß" zurückführen, sagte Markl, ohne konkretere Angaben zu machen.

Derzeit prüft das Münchner Registergericht, ob die unternehmerischen Tätigkeiten dem ideellen Hauptzweck des Vereins eindeutig untergeordnet sind. Die Vorstandsvorsitzende von Transparency International Deutschland und Mitglied in dem die ADAC-Reform begleitenden externen Beirat, Edda Müller, verwies auf mögliche Widersprüche bei der ideellen Struktur. Die zuletzt vom "Spiegel" veröffentlichten Zahlen, die eine Bilanzsumme des ADAC von 3,49 Milliarden Euro ausweisen, werfen laut Müller unter anderem die Frage auf, ob die unternehmerischen Ziele wirklich den ideellen unterworfen seien - oder umgekehrt.

afp/dpa

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